Wind, Staub oder Zugluft können tränende Augen verursachen, aber auch eine behandlungsbedürftige Augenerkrankung. Entscheidend sind Begleitzeichen: Schmerzen, Zukneifen, starke Rötung, Trübung oder Blut erfordern rasche tierärztliche Hilfe.
Klarer Tränenfluss allein gibt keine sichere Entwarnung. Gelber oder grüner Ausfluss ist besonders auffällig. An Farbe, Verlauf und Verhalten kannst du einschätzen, wie dringend dein Hund untersucht werden sollte.
Was Farbe und Konsistenz des Ausflusses verraten
Tränenflüssigkeit ist normal und schützt die Augenoberfläche. Überschüssige Flüssigkeit fließt normalerweise durch kleine Öffnungen am inneren Augenwinkel in die Tränenkanäle ab.
Sichtbarer Augenausfluss entsteht auf zwei Wegen: Das Auge produziert wegen einer Reizung mehr Flüssigkeit, oder die Tränen können nicht richtig abfließen. Anhaltendes Tränen, größere Sekretmengen und wiederholt verklebte Lider solltest du deshalb nicht als normale Augenpflege abtun.
Diese Merkmale helfen bei der ersten Einordnung, ersetzen aber keine Untersuchung:
| Beobachtung | Mögliche Bedeutung | Sinnvoller nächster Schritt |
|---|---|---|
| Wenig trockenes Sekret morgens, sonst unauffällig | Eingetrocknete Tränen und Zellreste | Behutsam außen entfernen und beobachten |
| Klar und dünnflüssig | Wind, Staub, Haare, Fremdkörper oder Allergie | Begleitzeichen beachten; bei plötzlichen einseitigen Beschwerden noch heute untersuchen lassen |
| Schleimig, weißlich oder zäh | Entzündung oder gestörter Tränenfilm, etwa bei trockenem Auge | Zeitnah untersuchen lassen |
| Eitrig, gelb oder grün | Starke Entzündung, möglicherweise bakterielle Beteiligung | Noch am selben Tag in die Praxis |
| Rosa oder blutig | Verletzung oder andere ernsthafte Veränderung möglich | Sofort tierärztliche Hilfe suchen |
Die Farbe allein lässt weder die genaue Ursache noch die Schwere sicher erkennen. Auch eine schmerzhafte Hornhautverletzung kann zunächst nur klare Tränen verursachen.

Wann tränende Augen beim Hund dringend sind
Achte neben dem Sekret auch auf das Verhalten deines Hundes. Er kann deutliche Schmerzen am Auge haben, ohne zu jaulen. Häufiges Blinzeln, Reiben mit der Pfote oder das Meiden heller Räume sind wichtige Hinweise.
Noch heute zum Tierarzt
Lass das Auge am selben Tag von einem Tierarzt oder einer Tierärztin untersuchen, wenn dein Hund es zukneift, daran reibt oder lichtempfindlich wirkt. Das gilt auch bei starker Rötung, deutlicher Schwellung und gelb-grünem Ausfluss.
Plötzlich einseitige Beschwerden sind ebenfalls verdächtig, zum Beispiel nach einem Spaziergang durch hohes Gras. Dahinter können ein Fremdkörper oder eine Augenverletzung beim Hund stecken. Verhindere möglichst, dass dein Hund am Auge reibt. Dadurch kann sich eine kleine Verletzung vergrößern. Warte auch bei einer Verschlechterung innerhalb weniger Stunden nicht ab.
Sofort zum tierärztlichen Notdienst
Bei diesen Veränderungen zählt rasches Handeln:
- Das Auge bleibt fest geschlossen oder dein Hund zeigt starke Schmerzen.
- Die Augenoberfläche wirkt plötzlich milchig, bläulich, grau oder deutlich trüb.
- Du siehst Blut, eine Verletzung, einen festsitzenden Gegenstand oder einen hervortretenden Augapfel.
- Die Pupillen sind plötzlich unterschiedlich groß oder dein Hund scheint schlechter zu sehen.
Ein Glaukom mit erhöhtem Augeninnendruck ist ein Notfall. Es kann das Sehvermögen dauerhaft schädigen und zur Erblindung führen.
Nur bei leichtem, klarem Tränenfluss ohne weitere Auffälligkeiten kommt kurzes Beobachten infrage. Bessert sich der Zustand nicht rasch, kontaktiere die Praxis. Hält das Tränen länger als zwei bis drei Tage an, ist spätestens dann eine Untersuchung nötig.
Welche Ursachen hinter dem Tränenfluss stecken
Ähnliche Symptome können sehr unterschiedliche Gründe haben. Auch wenn ein Auslöser naheliegt, lässt sich daraus zu Hause keine sichere Diagnose ableiten.
Vorübergehende Reizung und Allergien
Zugluft, Staub, Rauch oder Parfüm können die Augenoberfläche reizen. Auch Sand und lose Haare kommen infrage. Nach Wegfall des Reizes sollten leichte Beschwerden rasch nachlassen.
Eine Allergie gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelsporen kann ebenfalls tränende Augen verursachen. Juckreiz und gelegentliches Niesen kommen häufig hinzu. Eine solche Allergie kann auch die Augen betreffen. Futtermittelreaktionen sind möglich, doch tränende Augen allein belegen keinen Zusammenhang mit dem Futter. Bei begründetem Verdacht hilft eine tierärztlich begleitete Ausschlussdiät beim Hund mehr als wahlloses Futterwechseln.
Lidfehler, störende Wimpern und Abflussprobleme
Bei einem Entropium rollt sich der Lidrand nach innen, oft am Unterlid. Dadurch können Haare auf der Hornhaut scheuern. Ein ausgeprägtes Entropium kann die Augenoberfläche zusätzlich reizen.
Beim Ektropium hängt das Unterlid nach außen und schützt die Augenoberfläche schlechter. Zusätzliche Wimpern am Lidrand heißen Distichiasis. Auch fehlplatzierte Wimpern können Schmerzen und Tränenfluss auslösen. Verengte oder verstopfte Tränenkanäle behindern dagegen den Abfluss. Bei kurznasigen Rassen wie Mops und Französischer Bulldogge begünstigt die Kopfform solche Probleme. Die tierärztliche Übersicht zum tränenden Auge beschreibt mögliche Ursachen und Untersuchungsverfahren.
Entzündungen und Verletzungen
Eine Bindehautentzündung, medizinisch Konjunktivitis, kann durch Reizung, Allergien oder Infektionen entstehen. Rötung und Sekret sind typisch, aber nicht eindeutig.
Ein Fremdkörper unter dem Lid oder ein Geschwür an der Hornhaut kann ähnlich aussehen. Auch Entzündungen im Augeninneren, etwa eine Uveitis, können Schmerzen und Tränen verursachen. Eine vermeintliche Bindehautentzündung sollte deshalb nicht ohne Untersuchung eigenständig behandelt werden.
Was du zu Hause sicher tun kannst
Bis zur Untersuchung kannst du das Sekret vorsichtig entfernen und die Augenpflege auf das Nötigste beschränken. Wähle einen ruhigen Platz ohne Zugluft und grelles Licht. Erzwinge keine Reinigung, wenn dein Hund Schmerzen hat oder sich wehrt.
Verklebungen vorsichtig außen reinigen
Für die Reinigung der Augenpartie eignen sich ein sauberes, weiches Tuch oder sterile Kompressen. Befeuchte sie mit lauwarmem Wasser oder steriler Kochsalzlösung.
- Weiche angetrocknetes Sekret am Fell und Lidrand vorsichtig ein, ohne die Lider gewaltsam zu öffnen.
- Wische vom inneren Augenwinkel nach außen über das Fell, also vom Auge weg. Berühre dabei nicht die Augenoberfläche.
- Nimm für jeden Wisch eine saubere Stelle und für das zweite Auge eine neue Kompresse.
Diese Richtung transportiert gelösten Schmutz nach außen, statt ihn zum Auge zurückzuschieben. Wichtiger als kräftiges Wischen sind wenig Druck und sauberes Material.
Verwende keine trockenen Wattebäusche, weil Fasern zurückbleiben können. Ziehe Krusten nicht ab und entferne Fremdkörper niemals mit Pinzette oder Wattestäbchen.
Tropfen und Hausmittel nicht ausprobieren
Menschliche Augentropfen, alte Tierarzneien und selbst gewählte Salben gehören nicht ins Hundeauge. Andere Augentropfen verwendest du nur nach tierärztlicher Anweisung. Besonders cortisonhaltige Mittel können Hornhautdefekte verschlimmern. Auch Antibiotika behandeln nicht jede Ursache.
Kamillentee, Kräuteraufgüsse und selbst gemischte Salzlösungen sind keine sterile Augenpflege. Sie können zusätzlich reizen. Bei möglichem Staubkontakt ist vorsichtiges Spülen mit steriler Kochsalzlösung nur vertretbar, wenn das Auge offen bleibt und keine Verletzung erkennbar ist.
Bei Chemikalienkontakt dagegen sofort ausgiebig mit lauwarmem Wasser oder steriler Kochsalzlösung spülen und parallel den Notdienst kontaktieren. Warte dafür nicht auf ein besonderes Produkt.
So untersucht die Tierarztpraxis das Auge
Beschreibe, seit wann die Beschwerden bestehen und ob ein oder beide Augen betroffen sind. Erwähne Spaziergänge im hohen Gras, Unfälle, neue Pflegeprodukte und bereits verwendete Medikamente. Ein Foto des ursprünglichen Ausflusses kann helfen, sofern es die Fahrt nicht verzögert.

Tränenfilm und Hornhaut prüfen
Zunächst kontrolliert die Tierärztin oder der Tierarzt unter anderem Lidstellung, Pupillen und Augenoberfläche. Eine Spaltlampe erlaubt die vergrößerte Betrachtung der vorderen Augenabschnitte.
Der Schirmer-Tränentest misst mit einem speziellen Papierstreifen innerhalb einer Minute die Tränenproduktion. Er hilft, ein trockenes Auge, die Keratoconjunctivitis sicca, abzuklären. Die Beschreibung des Schirmer-Tränentests erläutert dieses Verfahren.
Mit Fluoreszein, einem diagnostischen Farbstoff, lassen sich Defekte der Augenoberfläche sichtbar machen. Das ist besonders wichtig, bevor bestimmte Augentropfen zum Einsatz kommen.
Augeninnendruck und Tränenwege untersuchen
Bei entsprechendem Verdacht misst die Praxis den Augeninnendruck mit einem Tonometer, beispielsweise einem Tono-Pen. Ein deutlich erhöhter Druck kann auf ein Glaukom hinweisen.
Bei Verdacht auf eine Abflussstörung folgt gegebenenfalls ein Spültest. Nach örtlicher Betäubung führt die Tierärztin oder der Tierarzt eine feine Kanüle in ein Tränenpünktchen ein. Anschließend prüft vorsichtig eingebrachte Flüssigkeit die Durchgängigkeit der Tränenwege. Je nach Befund und Mitarbeit braucht der Hund dafür eine Sedierung. Eine Spülung kann Ablagerungen lösen, behebt aber nicht jede anatomische Verengung.
Welche Behandlung möglich ist
Die Behandlung richtet sich nach dem Befund. Bei einer Konjunktivitis können passende Augentropfen oder Salben nötig sein. Antibiotika kommen bei entsprechender bakterieller Beteiligung infrage, ersetzen aber keine Behandlung eines Fremdkörpers oder Lidfehlers.
Störende Haare und Fremdkörper entfernt die Praxis gezielt. Ausgeprägte Lidfehlstellungen können eine Operation erfordern. Ein trockenes Auge braucht häufig eine längerfristige, manchmal dauerhafte Behandlung des Tränenfilms und der Entzündung.
Hornhautverletzungen benötigen je nach Tiefe Medikamente, einen Halskragen und engmaschige Kontrollen. Bei schweren Defekten kann eine Operation notwendig sein. Für komplizierte oder wiederkehrende Befunde gibt es spezialisierte Angebote wie die Augensprechstunde der Freien Universität Berlin.
Eine pauschale Behandlungsdauer wäre irreführend. Eine leichte Reizung kann rasch abklingen, während chronische Erkrankungen dauerhaft Betreuung brauchen. Halte deshalb Kontrolltermine auch dann ein, wenn das Auge bereits besser aussieht. Werden Schmerzen, Trübung oder Ausfluss stärker, braucht dein Hund früher eine erneute Untersuchung.
Tränenstreifen und Fellpflege richtig angehen
Rotbraune Streifen fallen besonders bei hellem Fell auf, etwa bei Maltesern oder Shih Tzus. Tränenbestandteile wie Porphyrine können das dauerhaft feuchte Haar verfärben. Diese Tränenstreifen sind eine kosmetische Fellveränderung und kein Beleg für eine Infektion. Die Tierklinik Rostock erklärt Tränenverfärbungen und mögliche Hintergründe.
Bereits verfärbtes Haar wird durch normales Reinigen nicht wieder weiß. Die Spuren verschwinden erst, wenn das Haar herauswächst und gekürzt wird. Verzichte auf Bleichmittel und aggressive Fleckenentferner in Augennähe.
Zur Augenpflege gehört, die Augenpartie sauber zu halten und feuchtes Fell vorsichtig trocken zu tupfen. Dauernde Nässe kann die Haut reizen und wund machen. Bei Rötung, Geruch oder nässenden Stellen sollte auch die Haut untersucht werden.
Langes Fell rund um die Augen sollte regelmäßig gekürzt werden, damit keine Haare hineinreiben. Überlasse das Kürzen dicht am Auge einer erfahrenen Fachperson. Bei wiederkehrenden Tränenstreifen muss die Ursache des übermäßigen Tränenflusses tierärztlich abgeklärt werden.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit tränenden Augen zum Tierarzt?
Bei Zukneifen, Reiben, starker Rötung oder gelb-grünem Ausfluss sollte dein Hund noch am selben Tag untersucht werden. Bei Trübung, Blut, starken Schmerzen oder einer sichtbaren Verletzung brauchst du sofort tierärztliche Hilfe; hält leichter Tränenfluss länger als zwei bis drei Tage an, ist ebenfalls eine Untersuchung nötig.
Wie kann ich verklebte Augen vorsichtig reinigen?
Weiche das Sekret mit einem sauberen, weichen Tuch oder einer sterilen Kompresse und lauwarmem Wasser oder steriler Kochsalzlösung ein. Wische außen über das Fell vom inneren Augenwinkel weg und nimm für jedes Auge eine neue Kompresse.
Darf ich menschliche Augentropfen oder Hausmittel verwenden?
Verwende keine menschlichen Augentropfen, alten Tierarzneien, Kamillentee oder selbst gemischte Salzlösungen. Augentropfen und Salben gehören nur nach tierärztlicher Anweisung ins Auge, da manche Mittel eine Hornhautverletzung verschlimmern können.
Sind rotbraune Tränenstreifen ein Zeichen für eine Infektion?
Rotbraune Streifen entstehen durch Tränenbestandteile wie Porphyrine und sind allein kein Beleg für eine Infektion. Bei wiederkehrenden Tränenstreifen sollte die Ursache des übermäßigen Tränenflusses tierärztlich abgeklärt werden.
Fazit: Begleitzeichen entscheiden über die Dringlichkeit
Leichte klare Tränen können nach einer kurzen Reizung auftreten. Dauerhafter Ausfluss, verklebte Lider oder wiederkehrende Beschwerden verdienen jedoch eine Untersuchung.
Bei Schmerzen, Zukneifen, Trübung, Blut oder plötzlichen einseitigen Veränderungen solltest du rasch tierärztliche Hilfe suchen. Bis dahin helfen schonende Reinigung außen und Schutz vor Reiben; eigenständig gewählte Tropfen und Hausmittel können dagegen Schaden anrichten.


